Wie alles begann - 1926:

Zitiert aus Fritz Münkel's ,,erster Chronik',:

Um eine Narrenmusik in die Welt zu setzen ist lediglich notwendig ein Loch ...... im hintern ....... Zahn. Da der Münkel Fritz Zahnweh hatte, musste er sich der sachkundigen Hand des Narrenvaters und Zahnathleten Hermann Fendrich anvertrauen.

Bei dieser Operation fand sich nach längerer Behandlung und Vertilgung mehrerer Schnäpse beim Hermann ein Klarinett vor. Auf die Frage:" Was das Klarinett eigentlich sollte", gestand der Narrenvater Hermann, dass er beabsichtige anlässlich des Karnervalkonzertes am Schmutzige Dunstig als Solist aufzutreten.

Da ich schon Bass blasen konnte, und der Hermann ein Klarinett besass, so waren die glänzesten Vorbedingungen gegeben, um eine Narrenmusik in die Welt zu setzen. 

Gründung der Musik

Die Werbung der einzelnen Mitglieder übernahm der Narrenmusiker Münkel. Die leichteste Sache der Welt. Zuerst ging es zum 70-jährigen Zeno Kressibuch. Auf meinen Vortrag hin, schaut mich der liebe Zeno von oben nach unten und von unten nach oben an und meinte hinter dem Ohre kratzend jo, jo des wird ebbes rechts wärre, ma kas jo mol probiere"

Der Karle Nosch Iacht verschmitzt auf dem Ietschte Stockzahn und meint:"mache mersch halt". Auf der weiteren Suche stellte es sich heraus, dass auch der Häusler Karle blooose ka. Mit dem ganzen Gsicht grinsend erklärte er sich zur Mitwirkung bereit.

Der musikalische Hurggle Kurt stellt seine taktfeste Hand zur Verfügung und übernimmt die große Trommel, während Ferdinand Ruf als Überbleibsel einer schöneren Zeit die kleinere Trommel übernimmt. AIs Embryo der Musik wirkt mit der Schäuble Arnold, der die Begleitung übernahm. Die Leute wären jetzt beisamme, doch woher die Instrumente? Doch halt, da fällt mir der liebe Stadtmusikdirektor Okle ein. Nachdem ich ihm meine Schmerzen vorgetragen, erklärte er sich sofort bereit, uns die nötigen Stricke zu schreiben. Wegen der Instrumente verweist er mich an den altbewährten Karl Wehrle.

Als der Hermann und ich Wehrle unsere Anliegen vortragen, meint er ungläubig: ja isch des ernst’? Als wir ihn endlich von unserem Wollen überzeugen können, war er sofort bereit uns die Instrumente zu beschaffen. Auch seine eigene Mitwirkung sagte er uns zu und bringt als weiteres Mitglied seinen Sohn Fritz Wehrle, als Posaunist. Ohne eine Anleihe ging es leider nicht. Da uns das nötige Holz fehlte, waren wir genötigt zwei Holzbläser bei der hiesigen Stadtmusik zu pumpen. Es waren dies Josef Kinzelmann, genannt Klarinette Muggele und Josef Duttle, die gerne ihre Kraft zur Verfügung stellten. Das Kind war geboren.

 

Erstes Gruppenfoto von 1927 (noch in Räuberzivil):

Narrenmusik_Raeuberzivil

 

Nosch, Karl u. Wehrle, Karl           Trompeter

Häusler, Karl                               Melodiehorn

Kinzelmann, Duttle                      Klarinette

Wehrle, Fritz                               Posaune

Kressibuch, Zeno u.

Schäuble, Arno                            Begleitung

Münkel, Fritz                               Bass

Huggle, Kurt                               Große Trommel

Ruf, Ferdinand                            Kleine Trommel

Leitung: Hermann Fendrich, der auch Klarinette bläst.

 

 

Beim Schreiben der Chronik darf nicht vergessen werden, dass die ganze Familie Nosch ihre Räumlichkeiten in uneigennütziger Weise für die Proben der Musiker zur Verfügung stellte. Besonderen Dank der lieben Frau Nosch, die so grosses Verständnis für den Hunger und Durst der Narrenmusiker hatte..

Zur größten Überraschung der Hannoken konnte sich die Musik am Fastnachts Montag vorstellen. Zum Glück Aller hatte der Wettergott ein Einsehen und bescherte uns ein prächtiges Festwetter. Nachdem dem alten Narren Friedrich Nosch ein Ständchen gebracht worden war, gedachte man auch der Kranken im Krankenhaus, denen einige lustige Weisen gewidmet wurden. Hierauf zog die Musik durch die Stadt und spielte durch die Straßen und auf den öffentlichen Plätzen.

Mit Dank sei auch des Hoteliers Ludwig kurz gedacht, der der Narrenmusik ein gutes Mittagessen spendete.

Narrenmusik_ersteProbe

(Bild: Eine der ersten Proben der Narrenmusik.)

 

 

1928

Dirigent: Hermann Fendrich, der das Spielen wegen Mangel an Ansatz aufgegeben. Unter den Mitgliedern sind folgende Änderungen eingetreten:

Neu eingetreten:
Schweinfurt Georg/Piccolo, Riedle Konrad u. Jauch Josef /Klarinette, Baumann Adolf/ Begleithorn

Ausgeschieden:
Schäuble Arnold und Duttle Josef.

Als Musiksetzling wurde der Sohn des Narrenmusikers Münkel, Willy Münkel aufgenommen.

(Bild: Dentist Fendrich und Musiksetzling Willy Münkel)

 

Dentist_Fendrich_Muenkel_1928

 

In diesem Jahr hat sich die Narrenmusik eigene Uniformen zugelegt. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass sich im Laufe des Jahres die Narrenmusik eigene Instrumente zugelegt hat.
Die Proben werden abwechselnd bei Nosch und Häusler abgehalten. Bei den drei abgehaltenen Narrenversammlungen wirkt die Musik mit.

Im Lauf der Saison wurden der Narrenmusik alle möglichen magenstärkenden Stiftungen zu teil, denn die Stifter kennen die schwachen Seiten notleidender Musiker. Zu den Stiftern gehören die Herren: Fendrich, Nosch, Häusler, Fabr. Dir. Karl u. Max Wolf, Frau Fabrikant Schiesser, Gipsermeister Rothenbacher, Narrizella Radolfzell, Frau Metzgermeister Geng u. Hotelier Kurz, Zur Sonne Post, Frau Gmeiner, Bahnhof, Reichtagsabgeordn. Diez.

 


1929

Das neue Jahr begann mit den üblichen Proben, die diesesmal recht früh beginnen mussten, weil die Fasnacht schon am 10.02. gefeiert wurde. Infolge Krankheit konnte unser lieber Wehrle Fritz nicht teilnehmen. Um diese Stelle wieder auszufüllen wurde Bauer Fritz neu aufgenommen. Zum ersten Male trat in diesem Jahre der kleine Kratt als 1. Assistent des Trommlers Ferdinand Ruf auf, der sich vorzüglich in seine neue Rolle fand.

Kratt_Heiner

Die Fasnacht 1929 stand unter dem welterschütternden Ereignis der Vermählung des Narrenvaters und Dirigenten der Narrenmusik Hermann Fendrich mit der äußerst reizenden Narrenmutter Hansi Hafner. Zu diesem hohen Fest war die Narrenmusik als Festmusik gewonnen worden. Dieser hohe Akt ging unter feierlichem Zeremoniell während dem Bürgerball am 9.2. im Scheffelhof vor sich.

Durch die enorme Kälte, am Fasnachts-Montag -29° und am Dienstag -30° musste die Musik vom Spielen in der Stadt Abstand nehmen, weil die Instrumente einfroren. Als Kuriosum darf nicht unerwähnt bleiben, dass wir in der Bezirkssparkasse, wo wir uns wärmten, statt Geld Schnaps erhielten. Dass es uns hierbei sehr schlecht erging, beweist der Ausspruch unseres Dirigenten Hermann, der meinte: „Wenns bigott no alle Johr so kalt wär´…“

Das Verbrennen der Fasnacht konnte nur unter den Trauerklängen der großen und kleinen Trommel stattfinden, da die anderen Instrumente eingefroren waren.